Liegeplätze der Katzen sollten gereinigt werden, wenn die Katze Würmer hatte.
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Die perfekte Nahrung für Kitten: Was junge Katzen wirklich brauchen – von der ersten Woche bis zum ersten Geburtstag

Aktualisiert am: 17.03.2026

Kaum ein Thema beschäftigt frischgebackene Katzenhalter mehr als die richtige Ernährung ihres Kittens. Und kaum ein Thema ist dabei gleichzeitig so wichtig: Die ersten zwölf Lebensmonate legen das Fundament für die gesamte Gesundheit einer Katze. Wer in dieser Phase das falsche Futter gibt – zu wenig Protein, zu viel Kohlenhydrat, falsche Mengenverhältnisse – riskiert bleibende Schäden an Knochen, Organen und Immunsystem. Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, was ein Kitten in jeder Wachstumsphase braucht, welche Futterformen geeignet sind und worauf beim Kauf wirklich zu achten ist.

Warum Kitten-Ernährung so besonders ist

Ein Kitten ist keine kleine Katze. Sein Organismus befindet sich in einem rasanten Wachstumsprozess, der innerhalb weniger Monate das Körpergewicht vervielfacht. Knochen, Muskeln, Organe und das Immunsystem entwickeln sich gleichzeitig – und all das stellt enorme Anforderungen an die Nahrung.

Im Vergleich zu einer ausgewachsenen Katze hat ein Kitten:

  • Etwa doppelt so hohen Energiebedarf pro Kilogramm Körpergewicht
  • Erhöhten Bedarf an hochwertigem tierischen Protein für Muskel- und Organwachstum
  • Höheren Calciumgehalt für die Knochenentwicklung – im richtigen Verhältnis zu Phosphor
  • Gesteigerten Taurinbedarf, da Kitten diese essentielle Aminosäure noch nicht ausreichend speichern können
  • Erhöhten Bedarf an DHA (eine Omega-3-Fettsäure), der für die Gehirn- und Sehentwicklung entscheidend ist

Diesen Anforderungen kann normales Erwachsenenfutter schlicht nicht gerecht werden – selbst wenn es hochwertig ist. Kittenfutter ist keine Marketingkategorie, sondern eine ernährungsphysiologische Notwendigkeit.

 

Wann ist ein Kitten eigentlich ausgewachsen?

Die meisten Hauskatzen und mittelgroße Rassen sind mit etwa 12 Monaten ausgewachsen und können dann auf Erwachsenenfutter umgestellt werden. Großrassen wie Maine Coon oder Norwegische Waldkatze brauchen länger – bis zu 18 oder sogar 24 Monate. Im Zweifel: lieber etwas länger beim Kittenfutter bleiben, da die Überversorgung mit Nährstoffen für Kitten deutlich weniger schädlich ist als eine Unterversorgung durch zu frühzeitigen Wechsel.

 

 

Von der Geburt bis zur vierten Woche: Muttermilch und Kolostrum

In den ersten Lebenstagen ist Muttermilch die einzige geeignete Nahrung für Kitten. Besonders das Kolostrum – die Erstmilch der Katzenmutter in den ersten 24 bis 48 Stunden – enthält eine hohe Konzentration an Antikörpern, die dem Neugeborenen eine erste Immunabwehr vermitteln. Diese passive Immunisierung kann durch kein kommerzielles Produkt vollwertig ersetzt werden.

Ab der zweiten oder dritten Woche beginnt die Muttermilch den wachsenden Energiebedarf der Kitten nicht mehr vollständig zu decken. Erste Zufütterungsversuche mit sehr weichem Kittenfutter oder angewärmter Aufzuchtmilch können ab Woche drei bis vier beginnen.

Wenn die Mutter fehlt: Aufzuchtmilch richtig einsetzen

Findelkinder oder Kitten einer verstorbenen Mutter müssen mit spezieller Katzenmilch aufgezogen werden. Kuhmilch ist absolut ungeeignet – der Laktosegehalt ist für Katzenwelpen viel zu hoch und verursacht schwere Verdauungsprobleme. Spezielle Aufzuchtmilch (Kitten Milk Replacer) ist in Tierkliniken und gut sortierten Zoohandlungen erhältlich. Die Milch sollte auf etwa 38 Grad Körpertemperatur erwärmt werden. In den ersten zwei Lebenswochen brauchen Kitten alle zwei bis drei Stunden eine Mahlzeit – auch nachts.

 

 

Woche vier bis zwölf: Entwöhnung und die wichtige Prägungsphase

Mit vier bis sechs Wochen beginnt die Entwöhnung. Die Kitten interessieren sich nun für feste Nahrung und fangen an, am Napf der Mutter zu schnuppern. In dieser Phase ist es besonders wertvoll, verschiedene Futterarten und -texturen einzuführen – Nassfutter, leicht angefeuchtetes Trockenfutter, verschiedene Fleischsorten. Der Grund: Zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat findet die sogenannte Nahrungsprägung statt. Was ein Kitten in dieser Zeit kennenlernt, akzeptiert es ein Leben lang bereitwillig. Was es nicht kennengelernt hat, wird es als Erwachsener oft hartnäckig verweigern.

Praktische Empfehlung: Biete dem Kitten in dieser Phase mindestens zwei bis drei verschiedene Futtersorten und abwechselnd Nass- und Trockenfutter an. So vermeidest du den häufig beschriebenen Effekt, dass eine Katze im Erwachsenenalter ausschließlich eine bestimmte Sorte akzeptiert.

 

Die richtige Futtermenge: So viel braucht ein Kitten täglich

Die Futtermenge richtet sich nach dem aktuellen Gewicht und dem erwarteten Endgewicht des Kittens. Als grobe Orientierung gilt: Gesunde Kitten nehmen durchschnittlich 100 Gramm pro Woche zu. Liegt die Gewichtszunahme deutlich darunter oder darüber, sollte die Futtermenge angepasst und im Zweifel ein Tierarzt konsultiert werden.

Lebensalter Mahlzeiten pro Tag Richtmenge Nassfutter Hinweis
3.–6. Woche 5–6 (+ Muttermilch) Sehr kleine Mengen Entwöhnungsphase, immer anbieten
6.–12. Woche 4–5 ca. 20–40 g je Mahlzeit Magen ist noch klein, viele kleine Portionen
3.–6. Monat 3–4 ca. 40–60 g je Mahlzeit Prägungsphase: Vielfalt anbieten
6.–12. Monat 2–3 ca. 60–80 g je Mahlzeit Wachstum verlangsamt sich, Anpassung nötig

 

 

Wichtig: Diese Angaben sind Richtwerte. Die tatsächliche Menge hängt von Rasse, Aktivitätslevel, Kastrationsstatus und individuellem Stoffwechsel ab. Nach einer Kastration (in der Regel ab dem sechsten Monat) sinkt der Energiebedarf des Kittens um etwa 25 Prozent – die Futtermenge sollte entsprechend angepasst werden, um Übergewicht zu verhindern.

 

Nassfutter, Trockenfutter oder Rohfütterung – was ist das Beste?

Alle drei Fütterungsformen können für Kitten geeignet sein, wenn sie die richtige Zusammensetzung aufweisen. Jede hat ihre Stärken und Grenzen:

Nassfutter: Mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 70–80 Prozent unterstützt Nassfutter die Flüssigkeitsversorgung des Kittens – besonders wichtig, da Katzen generell einen schwachen Trinktrieb haben. Die weiche Konsistenz eignet sich ideal für die Entwöhnungsphase. Beim Kauf auf hohen Fleischanteil, klar deklarierte Proteinsorten und kurze Zutatenliste achten.

Trockenfutter: Kalorienreich, lange haltbar und für eine Katze, die über den Tag verteilt knabbern möchte, praktisch. Wichtig: Immer ausreichend frisches Wasser bereitstellen. Nie als einzige Futterform für Kitten einsetzen – der Feuchtigkeitsmangel kann langfristig die Nieren belasten.

Rohfütterung (BARF): Die artgerechteste Methode, aber auch die anspruchsvollste – besonders bei Kitten. Wer sein Jungtier roh füttern möchte, muss die Zusammensetzung sorgfältig planen: Taurin, Calcium, Phosphor und essentielle Fettsäuren müssen in einem für Kitten gerechten Verhältnis vorliegen. Gute Einstiegsinformationen zu Rohfütterung und speziell auf Katzen abgestimmten Menüplänen bieten Ratgeberseiten zum Thema BARF-Katzenfutter und artgerechte Rohfütterung, wo auch die besonderen Anforderungen für Kitten erläutert werden.

 

Worauf beim Kauf von Kittenfutter wirklich zu achten ist

Der Markt für Kittenfutter ist groß und unübersichtlich. Marketingversprechen wie ‚reich an Vitaminen‘, ‚für gesundes Wachstum‘ oder ‚Tierärzte empfehlen‘ sagen wenig über die tatsächliche Qualität aus. Diese Kriterien sind entscheidend:

  • Tierisches Protein an erster Stelle: Die erste Position in der Zutatenliste sollte immer eine spezifische Fleischquelle sein – zum Beispiel ‚Hühnerfleisch 70 %‘ oder ‚Lachs 60 %‘. Vage Angaben wie ‚Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse‘ ohne Spezifikation lassen keine Rückschlüsse auf die Qualität zu.
  • Deklarierter DHA-Gehalt: DHA (Docosahexaensäure) ist eine Omega-3-Fettsäure, die für die Gehirnentwicklung von Kitten essentiell ist. Gutes Kittenfutter weist diesen Wert aus – oft über Fischöl oder Algenöl als Quelle.
  • Kein oder sehr geringer Getreideanteil: Katzen haben keinen physiologischen Bedarf an Kohlenhydraten. Ein hoher Getreideanteil im Kittenfutter verdrängt wertvolles tierisches Protein und kann auf Dauer die Nieren belasten.
  • Taurin-Deklaration: Bei verarbeitetem Futter muss Taurin zugesetzt werden, da es durch Erhitzung zu großen Teilen verloren geht. Das Futter sollte mindestens 0,1 % Taurin in der Trockensubstanz enthalten.
  • AAFCO- oder FEDIAF-konform: Gutes Kittenfutter sollte den Normen der europäischen (FEDIAF) oder nordamerikanischen (AAFCO) Tierfutterverbände für Wachstumsphasen entsprechen. Dieser Hinweis findet sich auf guten Produkten in der Regel auf der Verpackung.
  • Kein zugesetzter Zucker: Zucker erhöht die Akzeptanz des Futters künstlich und steigert das Diabetesrisiko. Bei Kitten ist das besonders problematisch, da sich Fressgewohnheiten in der Prägungsphase festsetzen.

 

Kittenfutter lesen lernen: Ein Beispiel

Gut: ‚Huhn (70 %), Huhnleber (10 %), Karotten (5 %), Lachsöl, Taurin, Vitamin D3‘ – klare Deklaration, hoher Fleischanteil, kurze Liste. Weniger gut: ‚Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (min. 4 % Huhn), Getreide, Zucker, Aromen, Antioxidationsmittel‘ – vage Deklaration, Getreide und Zucker in der Liste, minimaler Fleischanteil kaum aussagekräftig.

 

 

Flüssigkeit: Unterschätzt, aber lebenswichtig

Katzen haben evolutionär bedingt einen schwachen Trinktrieb – sie decken ihren Flüssigkeitsbedarf in der Natur überwiegend über ihre Beute. Im Haushalt, wo oft Trockenfutter dominiert, ist chronische Flüssigkeitsunterversorgung eines der häufigsten Ernährungsprobleme. Bei Kitten ist das besonders brisant, da ihre Nieren noch in der Entwicklung sind.

  • Mehrere Wasserschüsseln an verschiedenen Stellen in der Wohnung aufstellen – mindestens zwei bis drei.
  • Wasserquelle vom Futternapf räumlich trennen. Katzen trinken intuitiv nicht gerne direkt neben dem Futter.
  • Fließendes Wasser bevorzugt: Viele Kitten trinken aus einem Trinkbrunnen deutlich mehr als aus stehenden Schüsseln.
  • Keine Kuhmilch als Flüssigkeitsquelle – sie enthält zu viel Laktose und verursacht bei Kitten häufig Durchfall.

 

Die Futterumstellung: Schritt für Schritt zum neuen Futter

Ob beim Einzug ins neue Zuhause oder beim Übergang von Kitten- auf Erwachsenenfutter – jede Umstellung sollte schrittweise erfolgen. Das gilt auch dann, wenn das neue Futter objektiv hochwertiger ist. Der Verdauungstrakt des Kittens braucht Zeit, seine Darmflora anzupassen.

Bewährtes Vorgehen über 10 bis 14 Tage:

  • Tag 1–3: 75 % altes Futter, 25 % neues Futter
  • Tag 4–6: 50 % altes Futter, 50 % neues Futter
  • Tag 7–10: 25 % altes Futter, 75 % neues Futter
  • Ab Tag 11: 100 % neues Futter

Zeigt das Kitten während der Umstellung Durchfall oder Erbrechen, die Umstellung verlangsamen und einige Tage auf dem aktuellen Mischungsverhältnis bleiben. Hält der Durchfall länger als zwei Tage an: Tierarzt aufsuchen.

 

Häufige Fehler bei der Kitten-Ernährung

Auch gut informierte Katzenhalter tappen manchmal in dieselben Fallen. Die häufigsten Ernährungsfehler bei Kitten im Überblick:

  • Erwachsenenfutter füttern, weil es ‚billiger‘ oder ’schon da‘ ist: Der geringere Nährstoffgehalt kann in der Wachstumsphase dauerhafte Mängel verursachen.
  • Zu große Portionen auf einmal: Der Magen eines Kittens ist winzig. Mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer sind sowohl verdauungsfreundlicher als auch dem natürlichen Fressverhalten näher.
  • Kaum Abwechslung in der Prägungsphase: Wer ein Kitten ausschließlich mit einer Sorte aufzieht, erzieht sich ungewollt einen Futtermuffel.
  • Zu früh kastrieren und die Futtermenge nicht anpassen: Nach der Kastration sinkt der Kalorienverbrauch deutlich. Ohne Anpassung droht Übergewicht mit allen Folgeerkrankungen.
  • Milch als Flüssigkeitsersatz: Kuhmilch ist für Katzen grundsätzlich ungeeignet – nicht nur für Kitten.
  • Nahrungsergänzung auf eigene Faust: Unkontrolliertes Supplementieren von Calcium, Vitaminen oder Mineralstoffen kann genauso schädlich sein wie ein Mangel. Rohfütterung bei Kitten immer fachkundig planen oder begleiten lassen.

 

Fazit: Der Start entscheidet

Die Ernährung in den ersten zwölf Lebensmonaten ist eine der bedeutsamsten Weichenstellungen für die Gesundheit einer Katze. Wer hier gründlich vorgeht – hochwertige, altersgerechte Nahrung in angemessenen Mengen, ausreichend Flüssigkeit, Vielfalt in der Prägungsphase und ein behutsames Vorgehen bei Umstellungen – legt den Grundstein für eine vital gesunde und genussfreudige Samtpfote. Das braucht etwas Zeit und Recherche, zahlt sich aber über viele gemeinsame Jahre hinaus aus.